Die "Nortorfer Vogelgilde von 1612"

Das germanische Wort „Gilde“ stammt vermutlich von dem alt-norddeutschen Wort „Gildi“ = Vergeltung, Buße, Zahlung, Opfer. Später stand das Wort „Gilde“ im übertragenen Sinne für: Feste, in jüngerer Zeit wurde es dann für Bruderschaften und Vereinigungen mit gesellschaftlichen Zusammenkünften und gegenseitiger Hilfeleistung verwendet. Die Gilden stellen Leitsätze auf, um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu fördern, persönliche Opfer für die Allgemeinheit zu verlangen und die Bereitschaft zu erzeugen, sich dem gemeinsamen Handeln zu fügen. Dies trifft auch genau den Artikel 1 Absatz 2 der Gilderolle unserer Gilde:

„Lasst uns in Treuen zween und zween
wider alles Raubzeug stehen.“

Die Gilde ist immer eine starke verbindende Gemeinschaft gewesen. In guten wie auch schlechten Zeiten haben Bürger aus Nortorf und des Umlandes zusammen gefunden. Siehe auch Artikel 1 Absatz 1 der Gilderolle:

„Die Nortorfer Vogelgilde von 1612 in Nortorf ist ein
Zusammenschluss von Bürgern der Stadt Nortorf
und der umliegenden Ortschaften.“

Als ältester Beweis, dass unsere Gilde seit 1612 besteht, gilt der 17 cm lange Silbervogel an der Königskette (zwischenzeitlich gibt es eine zweite Kette, die der Vorjahreskönig trägt). Unter anderem ist eingraviert:

  „Hans Hein 16 U 12“.

Es ist anzunehmen, dass Hans Hein der erste König/Ältermann unserer Gilde war. Damit sind wir eine der ältesten Gilden Schleswig-Holsteins. 

Die Fahne

Die Gildefahne wird zu besonderen Anlässen: Gildefeste, Jubiläen oder Tod eines Gildebruders von der Fahnenabteilung getragen (ein Träger mit zwei Begleitern).

1945 verschwand die Gildefahne, der Verbleib konnte nie geklärt werden. Durch großzügige, freiwillige Spenden auch von Gildebrüdern konnte Ersatz beschafft werden. Beispielsweise 1952 wurden dafür 885,- DM aufgewandt.

Zur 400-Jahr-Feier wurde eine neue Fahne angeschafft und im Stadtpark vor der Doppeleiche im Beisein der Fahnen der befreundeten Gilde aus Rendsburg und Hohenwestedt sowie der Fahne der freiwilligen Feuerwehr Nortorf geweiht.

Der Königswald

Vom damaligen Ältermann Kurt Wulf wurde im Rahmen des monatlich stattfindenden Stammtisches angeregt, etwas für die Begrünung der Stadt Nortorf beizutragen. Der Gedanke wurde dem Bürgermeister und ebenfalls Gildebruder Karl-Arthur Jäger-Volk vorgetragen. Der Vorschlag der Gilde, im Anschluss an den Stadtpark einen „Königswald“ entstehen zu lassen, wurde begeistert aufgenommen. Als Grundstock wurden 1982 für alle ehemaligen Könige seit 1950 32 Eichen gepflanzt. Seit dem pflanzt jeder König nach dem Gildefest im Königswald der Nortorfer Vogelgilde von 1612, „seine“ Eiche.
Laut Gilderolle Artikel 14 Absatz 2: „Der König ist verpflichtet eine deutsche Eiche im Königswald zu pflanzen.“

Der erste König war Hubert Hünker im Jahre 1982. Zwischenzeitlich ist ein richtiger Königswald entstanden. Jedes Jahr kommt eine prächtige Eiche dazu. Wissentlich tragen die Eichen keine Beschriftung oder Markierung. Jeder König kennt seine Eiche und zum Pflanzen wird der König tatkräftig von den Gildeschwestern und Gildebrüder unterstützt. 

Die Doppeleiche

Die Doppeleiche im Nortorfer Stadtpark – 2008. Anlässlich der 350-Jahr-Feier 1962, pflanzte die Nortorfer Vogelgilde von 1612 als unvergängliches Zeichen zur Erinnerung an dieses Fest im Stadtpark eine Doppeleiche. Zum Gildefest am 8. Juni 1965 wurde ein Gedenkstein mit der Inschrift „350 Jahre Nortorfer Vogelgilde von 1612 bis 1962“ enthüllt.

Eine Doppeleiche verfügt über zwei Stämme, welche am unteren Teil zusammengewachsen sind und eine gemeinsame Krone bilden. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde sie während des Konflikts zwischen Dänen und Deutschen über den völkerrechtlichen Status Schleswig-Holsteins zum Symbol der Zusammengehörigkeit der Herzogtümer Schleswig und Holstein. Besondere Erwähnung findet die Doppeleiche auch im Schleswig-Holstein-Lied von 1844. In der 7. Strophe heißt es:
 „Treues Land, du Doppeleiche, unter einer Krone Dach, stehe fest und nimmer weiche, wie der Feind auch dräuen mag.“ 

Die Junggilde

Die Junggilde wurde 1993 vom damaligen Hauptmann Hubertus Wollny in Leben gerufen. Sinn und Zweck ist die Bindung der jungen Männer (bisherige Schaffer) an die Gilde und diese an eine Vollmitgliedschaft heranzuführen. Es bestehen eigene Regeln für die Mitgliedschaft: z. B. kann ein Jung Gildebruder nicht König werden und brauch nur ein Viertel des regulären Beitrages zu zahlen.

 Die aktiven Zylinder

Die Aktiven Zylinder wurden im Jahre 2003 auf Initiative unseres inzwischen verstorbenen Ehrenältermannes Jens Hadenfeldt zum positiven Wirken in sozialen und kulturellen Bereichen gegründet. Das für die gemeinnützige Arbeit erforderliche Kapital erwirtschaften die ca. 20 Gildebrüder auf verschieden Veranstaltungen, wie zum Beispiel einem Stand auf dem Nortorfer Lichterfest oder mit dem alljährlichen „Plattdeutschen Abend“ im Holsteinischen Haus. Hier ein kurzer Ausschnitt aus den unterstützten oder selbst ausgeführten Projekten:
           – Restaurierung des Denkmals vor der St.-Martin-Kirche Nortorf
           – Fernseher und Videogerät für die Grundschule Gnutz
           – EDV-Technik für die Hauptschule Nortorf
           – Gokart für die „Schule an den Eichen“ Nortorf
           – Spende für die Elbehochwasseropfer in Sachsen

Das Schleswig-Holstein-Lied

Zum Abschluss feierlicher Anlässe werden aus Verbundenheit die 1., 2. und 7. Strophe des Schleswig-Holstein-Liedes von den Gildebrüdern gesungen.

Das Schleswig-Holstein-Lied
(1. 2. und 7. Strophe)

1. Schleswig-Holstein, meerumschlungen,
deutscher Sitte, hohe Wacht,
wahre treu, was schwer errungen,
bis ein schönrer Morgen tagt!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
wanke nicht, mein Vaterland
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
wanke nicht, mein Vaterland

2. Ob auch wild die Brandung tose,
Flut auf Flut, von Bai zu Bai:
O, laß blühn in deinem Schoße
deutsche Tugend, deutsche Treu.
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
bleibe treu, mein Vaterland!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
bleibe treu, mein Vaterland!

7. Teures Land, du Doppeleiche,
unter einer Krone Dach,
stehe fest und nimmer weiche,
wie der Feind auch dräuen mag!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
wanke nicht, mein Vaterland!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
wanke nicht, mein Vaterland!

.